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Pressetexte

Pressetext | Kurzversion | Klingel bei Anna – 100 Jahre queeres Leben in Lichtenberg

Ab 27. August 2026 präsentiert das Museum Lichtenberg die Sonderausstellung „Klingel bei Anna – 100 Jahre queeres Leben in Lichtenberg“.
Erstmals widmet sich eine umfassende Ausstellung der Geschichte und Gegenwart queeren Lebens im Bezirk. Sie macht bislang wenig bekannte Biografien, Orte und Lebenswelten sichtbar und ist bis Ende Mai 2027 zu sehen.

Lichtenberg wird bislang nur selten mit queeren Lebenswelten in Verbindung gebracht. Während Berlin häufig als Regenbogenhauptstadt wahrgenommen wird, bleibt der Bezirk in Erzählungen über queere Geschichte und Gegenwart oft unerwähnt. Tatsächlich lassen sich in Lichtenberg zahlreiche Spuren queeren Lebens finden – von der Bezirksgründung 1920 über die Weimarer Republik, die Zeit des Nationalsozialismus und die DDR bis in die Gegenwart.

Die Ausstellung wurde von Neo Seefried und Karl-Heinz-Steinle kuratiert und basiert auf einer Forschungsarbeit, die auf Initiative der Queer-Beauftragten des Bezirks, Sabine Pöhl, entstanden ist. Im Mittelpunkt steht der Wohnraum als (geschützter) Ort queeren Lebens. Anhand von Biografien, Freunde*innen-Kreisen, Orten, Zusammenschlüssen und Veranstaltungen zeigt die Ausstellung die Vielfalt queerer Lebensrealitäten in Lichtenberg. Historische Objekte und Fotografien werden mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen verbunden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem neu erschlossenen Nachlass der queeren DDR-Person Anna B. Wein, der ungewöhnliche Einblicke in die Lebenswelten der 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahre ermöglicht.

Begleitend zur Ausstellung finden Abendveranstaltungen, Führungen und Workshops statt.

Pressetext | Langversion | Klingel bei Anna – 100 Jahre queeres Leben in Lichtenberg

Was erfahren wir über einen Bezirk, wenn wir nicht auf seine Straßen und Gebäude, sondern hinter seine Wohnungstüren blicken? Wer hat hier Freund*innen empfangen, gefeiert, gestritten, geliebt oder Schutz gesucht? Und welche Geschichten bleiben verborgen, solange niemand klingelt? Mit „Klingel bei Anna – 100 Jahre queeres Leben in Lichtenberg“ zeigen die Kurator*innen Neo Seefried und Karl-Heinz Steinle im Museum Lichtenberg erstmals eine umfassende Ausstellung zur Geschichte und Gegenwart queeren Lebens im Bezirk.
Ausgangspunkt ist nicht ein berühmtes Ereignis oder eine politische Bewegung, sondern eine Wohnung. Wer bei Anna klingelt, überschreitet eine Schwelle: vom öffentlichen Raum ins Private, von einer persönlichen Geschichte zu über 100 Jahren queeren Lebens in Lichtenberg. Im Zentrum steht der umfangreiche fotografische Nachlass von Anna B. Wein (1954–2024), der erstmals öffentlich präsentiert wird. Seit ihrem 14. Lebensjahr dokumentierte Anna Freundschaften, Beziehungen und ihren Alltag. Ihre Fotografien erzählen von Begegnungen, Intimität, Selbstinszenierung, Gemeinschaft und Rückzug. Sie zeigen nicht nur Menschen, sondern auch die Räume, in denen queeres Leben oft jenseits öffentlicher Sichtbarkeit stattfinden konnte. Klingeln wird dabei zur Erzählweise der Ausstellung. Jede geöffnete Tür eröffnet neue Perspektiven auf queeres Leben in Lichtenberg. Manche Geschichten sind gut dokumentiert, andere nur bruchstückhaft überliefert, viele gar nicht bekannt. Nicht jede Schwelle lässt sich überschreiten, nicht jede Tür öffnet sich. Gerade darin liegt die Einladung der Ausstellung: weiterzufragen, Leerstellen auszuhalten und Geschichte als etwas zu begreifen, das nie abgeschlossen ist.

Von Anna aus öffnen sich weitere Türen – zu den Geschichten der „Sexualmörderinnen“ Erna Klein und Margarethe Nebbe, zu den Tanzabenden der als Kegelklub getarnten lesbischen Gruppe „Lustige Neun“, zu den Netzwerken der Homosexuellen Interessengemeinschaft Berlin, den Friedenswerkstätten der Erlöserkirche und schließlich in die Gegenwart. So entfaltet sich ein Geflecht aus Biografien, Beziehungen, Netzwerken und Räumen, das queeres Leben in Lichtenberg über mehr als ein Jahrhundert hinweg erzählt.

Die vom Studio SET entwickelte Szenografie und das grafische Konzept von Anna Unterstab greifen diese räumliche Erzählweise auf. Besucher*innen bewegen sich durch Fragmente einer Wohnung, in der Fotografien, Dokumente, Originalobjekte, Nachbildungen und künstlerische Positionen miteinander in Beziehung treten. Ein vielfältiges Begleitprogramm mit Führungen, Abendveranstaltungen und Workshops erweitert die Ausstellung um weitere Perspektiven und lädt dazu ein, Leerstellen gemeinsam zu erkunden. Wer die Recherche vertiefen möchte, findet in der Projektdokumentation „Queer Lichtenberg – gestern und heute“, die im Museum erhältlich ist, weitere Biografien, Orte und Quellen. Die Ausstellung ist bis Ende Mai 2027 im Museum Lichtenberg zu sehen.