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17. November 2017 – 1. April 2018

»Die DDR im Kleinformat – Alltag und Diktatur in Stadtbezirk Berlin-Lichtenberg«

Die Ausstellung geht in Bild und Textdokumenten in die Zeit zwischen 1945 und 1990 zurück und gibt auf 18 Themen-Tafeln in Text und Bild Spuren des Alltags- und des von der SED-Diktatur bestimmten Lebens in der DDR wieder. Vorgestellt werden Themen aus der Arbeits- und Lebenswelt, Kultur-, Freizeit- und staatliche Einrichtungen oder das diplomatische Leben in Karlshorst. Raum nehmen auch einige mit dem Ende des Krieges durch die sowjetische Militärmacht ausgelöste historische Vorgänge ein, die bis 1989 ihren Sitz Karlshorst hatte. Das 1951 entstandene Ministerium für Staatssicherheit an der Magdalenen- und Ruschestraße wird als Machtinstrument der Diktatur anhand lokaler Ereignisse vorgestellt. Ziel dieser ersten auf die Geschichte der DDR-Zeit eingehenden Sonderausstellung ist es, Lichtenberg als einen modellhaften Ort für das Alltagsleben und die gesellschaftliche Einflussnahme durch SED und auch SMAD vorzustellen.

Autoren der Ausstellung sind Barbara Timm, Dirk Moldt und Thomas Thiele. Das Design wurde von Helga Lieser entworfen.

 

Hintergrund der Ausstellung

Die DDR hatte als Staat 40 Jahre Bestand. Schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die entscheidenden Tatsachen für ihre Entstehung geschaffen. Ab 1946 bestimmte der Streit zwischen der Sowjetunion und den Westmächten um den Einfluss in Europa und der Welt auch die Politik Ostdeutschlands.

Lichtenberg gehörte im Laufe dieser Ereignisse zu einem der wichtigen historischen Orte. Hier wurde die bedingungslose Kapitulation von der deutschen Wehrmacht unterzeichnet. Am selben Tag begannen KPD-Funktionäre unter Walter Ulbricht aus Moskau kommend in Lichtenberg ihre politische Einflussnahme auf die Nachkriegspolitik im sowjetisch besetzten Sektor – in fester Absprache mit der sowjetischen Regierung. Die spätere Entwicklung war sowohl von den Vorstellungen der Sozialistischen Einheitspartei und der sowjetischen Staatsführung als auch von den regierungsnahen „Blockfreunden“ in den anderen Parteien der Nationalen Front geprägt. Aber auch die Bedürfnisse der Bevölkerung und deren Lebenssituationen wirkten sich auf Veränderungen im Lichtenberger Alltag, wie in der gesamten DDR, aus. Sie drängten die politisch Verantwortlichen dazu, Lösungen zu finden und mit diesen die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen.

Als Ort der Industrie, des Wohnungsbaus aber auch als Sitz des Ministeriums für Staatssicherheit, erscheint Lichtenberg wie ein Spiegelbild des Landes, geprägt vom Aufbruch, vom Versuch der Überwindung von Schwierigkeiten, von Erfolgen in der Arbeit, vom Gewinn an Freizeit und Vergnügen, vom Versuch, sich in schwierigen oder mangelhaften Verhältnissen einen auskömmlichen Platz einzurichten, aber auch von Reglementierung und Strafe.

Dass sich in Lichtenberg mit der Besetzung des Ortsteils Karlshorst durch die sowjetische Militärverwaltung 1945 und mit dem Abzug der Truppen der GUS-Staaten 1994 sowohl der Anfang als auch das Ende der Nachkriegsordnung verorten lässt, ist ein Zufall. Er bildet aber die besondere historische Klammer, die Lichtenberg zu einem Modell für die DDR im Kleinformat macht.