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Person des Monats September 

Johann Carl Sigismund von Treskow

(1787–1846)

Landwirtschaftsreformer und Gutsherr zu Friedrichsfelde

Geboren wurde Carl von Treskow am 23. September 1787 in Berlin. Er war der zweite Sohn des Sigismund Otto von Treskow. Dieser stammte als unehelicher Sohn eines Adligen aus der Familie von Tresckow und aus einfachen VerhĂ€ltnissen. Als Manufakturbesitzer und GroßhĂ€ndler gelang ihm der soziale Aufstieg. 1797 wurde ihm der preußische Adelsstand von Treskow verbrieft. Die Mutter, Anna Sara von Treskow, war die Tochter des wohlhabenden Destillateurs Benjamin George. Sie brachte eine stattliche Mitgift in die Ehe ein. 1812 heiratete Carl von Treskow seine Cousine Julie Jouanne (1791 – 1852), die einer reichen Hugenottenfamilie entstammte. Das junge Paar zog zunĂ€chst auf das neu erworbene Gut Kade in der Mark.

Carl von Treskow betĂ€tigte sich in dieser Zeit auch als Destillateur in der Schnapsfabrik seines Großvaters Benjamin George. Dessen Vermögen und die reiche Mitgift seiner Frau ermöglichten dann im Jahr 1816 den Ankauf des Rittergutes Friedrichsfelde. Im Laufe der nĂ€chsten Jahre konnte Carl von Treskow hier sein Talent fĂŒr eine moderne Landwirtschaft voll entfalten. Als Freund und SchĂŒler des preußischen Landwirtschaftsreformers Albrecht Thaer verwandelte er das Gut Friedrichsfelde in eine Musterwirtschaft. Das Gut wurde zu einem AushĂ€ngeschild der landwirtschaftlichen Reformbewegung, fĂŒr das sich auch auslĂ€ndische Besucher interessierten. Theodor Fontane erwĂ€hnt in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ das Gut u.a. als den ersten Frischmilchproduzenten fĂŒr das nahe Berlin.

1821 erhielt der Gartenarchitekt und Freund der Familie Joseph Peter Lenné den Auftrag zur Umgestaltung der Parkanlage von Schloss Friedrichsfelde. Aus der ehemals vom Barock geprÀgten Gartenanlange entstand ein Park im englischen Stil. Hier wurde im gleichen Jahr auch die ErdbegrÀbnisstÀtte der Familie Treskow eingerichtet. Der traurige Anlass war der Tod des Sohnes Leo, der nur drei Monate alt wurde.

1822 eröffnete Treskow die „Landschule fĂŒr bedĂŒrftige Kinder“. Das Hauptanliegen der Schule war es, jungen Menschen eine Ausbildung zu GĂ€rtnern, Meiern oder Gutsverwaltern zu ermöglichen. Gemeinsam mit Albrecht Thaer entwickelte sich bald eine zweistufige Ausbildung. Viele SchĂŒler setzten anschließend ihre Ausbildung bei Thaer auf dessen Mögliner Akademie fort. Beide Lehreinrichtungen gingen spĂ€ter in die neue landwirtschaftliche FakultĂ€t der Berliner UniversitĂ€t auf.

Zur Erweiterung der Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Produktion ließ Treskow 1825 ein Vorwerk anlegen, das seinen Namen erhielt: Carlshorst. Aus ihm heraus entwickelte sich der spĂ€tere Berliner Ortsteil Karlshorst. Johann Carl Sigismund von Treskow verstarb am 4. Oktober 1846 in Friedrichsfelde. Die frĂŒhere Verbindungsstraße zum Vorwerk mit der Bezeichnung Karlshorster Chaussee erhielt 1900 ihm zu Ehren den Namen Treskowallee. Seit 1992 heißt sie wieder so, nachdem sie in der DDR den Namen Hermann-Duncker-Straße trug.