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Johannes Fest | Politiker, Lehrer und Rektor in Karlshorst, verweigerte sich dem Nationalsozialismus, wohnte in Berlin-Karlshorst in der Hentigstraße 13

 

Geboren: 06. Februar 1898

Verstorben: 15. September 1960

 

Am 6. Februar vor 122 Jahren wurde Johannes Fest in Ottorowo geboren, ein Ort an der Grenze der ehemaligen Provinz Preu√üen. Dort besa√ü sein Vater einen gro√üen landwirtschaftlichen Betrieb. Nach dem Umzug nach Liebenau in der Neumark betrieb die Familie eine Getreidem√ľhle. Johannes war ein begabter Sch√ľler. Er √ľbersprang zwei Klassen und bei seinem Abschluss wurde ihm die m√ľndliche Pr√ľfung erlassen. Auf Dr√§ngen des Vaters wurde er Lehrer und legte 1910 die erste und 1914 die zweite Lehrerpr√ľfung ab 1910 er trat bereits in den Schuldienst ein. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde Johannes Fest eingezogen. Gleich zu Beginn des Krieges erlitt er eine Verwundung. Nach seiner Genesung kehrte er in den Schuldienst zur√ľck, zog nach Berlin und wurde 1916 Lehrer in Berlin-Neuk√∂lln. Von 1919 bis 1922 studierte er Philologie und Volkswirtschaft an der Berliner Universit√§t. Als √ľberzeugter Katholik engagierte er sich politisch in der Deutschen Zentrumspartei und beteiligte sich an der Gr√ľndung mehrerer Berliner Ortsverb√§nde. Bis 1933 geh√∂rte er als Vorstandsmitglied der Deutschen Zentrumspartei Berlin an. Trotz der von ihm in der Weimarer Republik erblickten Unzul√§nglichkeiten, war Johannes Fest sein Leben lang ein √ľberzeugter Republikaner. Im ‚ÄěReichsbanner Schwarz-Rot-Gold‚Äú nahm er bis zu dessen Aufl√∂sung 1933 eine f√ľhrende Position im Gauvorstand Berlin-Brandenburg ein. Durch seine zahlreichen √Ąmter hatte er auch gute Beziehungen zum Berliner Bistum, so zum Nuntius Kardinal Parcelli und zum Domprobst Bernhard Lichtenberg, der fr√ľher als Kuratus in Karlshorst gelebt hatte. Beide verband eine freundschaftliche Beziehung. Zu seinem Freundeskreis z√§hlte nach 1933 auch der Karlshorster Pfarrer Johannes Wittenbrink. In Karlshorst lebte Johannes Fest ab 1921. Er bewohnte die zweite Etage des von ihm erworbenen Mietshauses in der Hentigstra√üe Nr. 13.

Mit Elisabeth Straeter hatte er in Berlin eine anziehende junge Frau kennengelernt. Sie arbeitete als Assistentin im renommierten Berliner Bankhaus Bleichr√∂der. 1923 heirateten sie. F√ľnf Kinder - drei Jungen und zwei M√§dchen - gingen aus dieser Ehe hervor. Sein Sohn Joachim machte als Historiker der Bundesrepublik auf sich aufmerksam. 1929 wurde Johannes Fest zum Rektor der 20. Katholischen Schule in Berlin-Lichtenberg berufen. Von 1925 bis 1933 war er auch Bezirksverordneter dieses Verwaltungsbezirks. Die Herrschaft der Nationalsozialisten hatte f√ľr Johannes Fest gravierende Folgen. Am 20. April 1933 wurde er ins Lichtenberger Rathaus bestellt, wo ihm mitteilt wurde, dass er mit sofortiger Wirkung beurlaubt sei. Als Gr√ľnde daf√ľr waren seine Zugeh√∂rigkeit zur Zentrumspartei sowie zum Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold. Au√üerdem warf man ihm vor, ‚Äě√∂ffentlich herabw√ľrdigende Reden gegen den F√ľhrer‚Äú und weitere hohe Angeh√∂rigen der NSDAP gef√ľhrt zu haben. Innerhalb von zwei Tage sollte er die Leitung der 20. Schule an einen Nachfolger √ľbergeben. Im Oktober 1933 erhielt er seine endg√ľltige Entlassung. Diese war mit einem Berufsverbot als Lehrer verbunden, die so weit ging, dass er nicht einmal privat Nachhilfeunterricht geben durfte. Das Angebot, Mitglied der NSDAP zu werden, um damit alle gegen ihn erhobenen Repressionen r√ľckg√§ngig zu machen, lehnte er rigoros ab. ‚ÄěAuch wenn alle es tun ‚Äď Ich nicht!‚Äú. Nach dieser Maxime lebte er fortan und lie√ü sich auch nicht von seiner Frau davon abbringen, die ihn im Interesse der Familie darum bat, doch wenigstens ‚Äěpro forma‚Äú in die Partei einzutreten. 1944 erhielt Johannes Fest trotz seines Alters seine Einberufung zur Wehrmacht. An der Ostfront geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrte im Herbst 1945 nach Berlin zur√ľck. Sein Haus in der Hentigstra√üe war inzwischen von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt worden, die Familie lebte in einer kleinen Wohnung in Neuk√∂lln. Er schloss sich dort der CDU an. 1948 bis 1950 und 1958 bis 1960 war er Bezirksverordneter in Berlin-Neuk√∂lln, 1950 bis 1958 Mitglied des Abgeordnetenhauses von Berlin. Beruflich kehrte er in den Schuldienst zur√ľck und wurde 1945 Bezirksschulrat von Berlin-Tempelhof. Dieses Amt √ľbte er bis 1954 aus. In der Gesellschaft f√ľr christlich-j√ľdische Zusammenarbeit war er ab 1949 aktives Mitglied.

Das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung von Neuk√∂lln schlugen ihn als ‚Äě√ľberzeugten Demokraten‚Äú zum Stadt√§ltesten von Berlin vor. Diese W√ľrde wurde ihm 1960 verliehen. Johannes Fest starb am 15. September 1960 in Berlin.

Am 5. Februar 2014 erhielt in Berlin-Karlshorst der Platz vor dem Theater den Namen ‚ÄěJohannes Fest Platz‚Äú.

 

 

Bild: Johannes Fest 1941 | Museum Lichtenberg