Ausstellungen 2011
7. Januar - 30. Juni 2011
"Eingeliefert nach Rummelsburg"
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2. Juli - 24. Juli 2011
"WOHNKULTUR"
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27. August - 11. September 2011
"LICHTENBERGER VEDUTEN"
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25. September - 30. Dezember 2011
"Das Mosaik von Hannes Hegen. Abenteuer Wissenskosmos"
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Freitag, 7. Januar – Donnerstag, 30. Juni 2011
Ausstellungseröffnung: 7. Januar 2011, 15 Uhr
+++ Verlängert bis 17. Juli 2011 +++
"Eingeliefert nach Rummelsburg"
1879–1933 Städtisches Arbeitshaus
1933–1945 NS-Zeit
1945–1951 Durchgangslager und Jugendarrest
1951–1990 DDR-Strafvollzugsanstalt
Der Erinnerungsort Rummelsburg
Vom Berliner Stadtzentrum nur wenige Kilometer entfernt, lassen sich auf einem kleinen Areal an der Hauptstraße 8 in Rummelsburg bauliche Zeugnisse finden, die an historische Lasten gleich aus verschiedenen Epochen erinnern. Es begann mit der Nutzung eines preußischen Arbeitshauses und endete mit der Schließung einer DDR-Haftanstalt. Die alten Klinkerbauten dieser Einrichtungen sind inzwischen für Wohnzwecke saniert, umgebaut und lukrativ vermarktet worden. Durch den Umstand, dass hinter diesen Mauern über alle Perioden hinweg Unrecht geschah, ist ihre Umwidmung jedoch umstritten. Mit der Luxussanierung wurde einer der belangreichsten geschichtspolitischen Orte in Berlin ohne vorherige öffentliche Frage- oder Infragestellung schlichtweg enthistorisiert.
Der Erinnerungsprozess ist indes nicht abgeschlossen. Mit der Ausstellung »Eingeliefert nach Rummelsburg« beabsichtigt das Museum Lichtenberg, über den Ort aufzuklären, und sie will als Anregung verstanden werden, die historischen Kontexte dieses Stadtraumes weiter diskursiv zu behandeln. Selbstredend soll auch ein Zeichen für ein übergreifendes Erinnern, Gedenken und Mahnen gesetzt werden, das jenen Menschen gewidmet ist, die an dieser Stätte gelitten und ihre Menschenrechte und Lebenschancen eingebüßt haben, die Opfer von Verfolgung und im Nationalsozialismus selbst von Vernichtung wurden. Wegen der großen zeitlichen Distanz gestaltete sich besonders die Spurensuche bis 1945 schwierig. Der Umgang mit dem historischen Ort schließt die Einordnung aller Verfolgten ein. Zuletzt gehörten hierzu die in der DDR Inhaftierten, die aus politischen oder ideologischen Gründen Opfer von staatlicher Repression und Willkür geworden sind. Viele von ihnen leiden noch heute unter den Folgen dieses Haftregimes.
Die Ausstellung
Auf der Basis des gegenwärtigen Forschungsstandes greift die Ausstellung die ungleichen historischen Komponenten des Erinnerungsortes chronologisch auf und vermittelt erstmals in dieser Geschlossenheit einen Abriss seiner 110-jährigen Geschichte. Es erschließt sich eine »Parallelwelt« hinter Mauern und Gittern. Wie ein roter Faden ziehen sich die Hintergründe und Funktionsweise der Anstalten wie auch die Verfolgung von Menschen durch drei thematische Einzelbeiträge. Die Ergebnisse ermöglichen eine differenzierte Sicht auf die Geschehnisse. Jeder Zeitabschnitt hat seine eigene Gewichtung, was die Problematik der »vielfachen Erinnerung« besonders verdeutlicht.
Gezeigt werden ungewohnte Fotos und Dokumente und eine 3D-Präsentation stellt einen visuellen Zugang zu dem historischen Areal und seinem Gebäudebestand her. In Interviews beschreiben ehemalige Häftlinge ihre durchlebte Haft in dem DDR-Gefängnis. Die Beiträge beziehen sich insbesondere auf diejenigen, die aus politischen Gründen Erfahrungen mit dem Haftort machen mussten.
Das städtische Arbeitshaus Rummelsburg
Erbaut zwischen 1877 und 1879 von Hermann Blankenstein, stellte das städtische Arbeitshaus eine Weiterentwicklung von Einrichtungen dar, die auch Korrektionshäuser oder Korrigendenanstalten genannt wurden und den Gefängnissen ähnelten. Seine besondere Lage am See und die erwähnenswerte Architektur der sechs »Verwahrhäuser«, eines Verwaltungsgebäudes, mehrerer Beamten-Wohnhäuser, Wirtschaftsbauten und einer Kirche dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch hier der Disziplinierungs- und Strafcharakter gegenüber sozialen Außenseitern immer im Vordergrund stand. Es traf die Ärmsten der Armen, die an den Rand der Gesellschaft Gedrängten, die der Staat hier verwahrte und von der Gesellschaft isolierte. Bettler, Obdachlose, sogenannte Arbeitsscheue, Prostituierte und kleine Straftäter sollten durch »Arbeit und strenge Zucht« gebessert werden. Dazu kamen Hospitaliten der »stationären« Armenpflege, arbeitsunfähige, alte, sieche und mittellose »bescholtene« Pflegebedürftige, denen andere städtische Hospitäler verschlossen blieben.

- Einzelzelle im Arbeitshaus 1920, Foto: akg-images

- Städtisches Arbeitshaus 1894

- Bruno S., NS-Verfolgter, 2008 am Gedenkort des früheren Arbeitshauses
Das Arbeitshaus Rummelsburg in der NS-Zeit
In der Weimarer Republik erfolgte eine Liberalisierung der Zustände im Arbeitshaus, die sich mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten auf verhängnisvolle Weise wieder änderten. Die Methoden der Verfolgung von Minderheiten erreichten nach 1933 eine bis dahin nicht vorstellbare Zielstrebigkeit. In welchem Ausmaß die wehrlosen Menschen im Arbeitshaus durch Zwangsarbeit umkamen oder Opfer der systematischen NS-Vernichtungsaktionen wurden, konnte bisher noch nicht aufgeklärt werden. Ihre Namen und wirkliche Zahl wird man vielleicht erst nach Jahren kennen oder nicht mehr aufklären können.
Als »asozial« bezeichnete Menschen zählten wie politische Gegner und Juden zu den Ersten, die von den Nationalsozialisten nach der Machtübernahme verfolgt wurden. Bereits 1933 fanden im gesamten Reichsgebiet »Bettlerrazzien« gegen die »Gemeinschaftsfremden« statt. 1938 folgten mit der Aktion »Arbeitsscheu Reich« große Verhaftungswellen mit anschließender Verschleppung in Konzentrationslager. Ab 1937 plante die nationalsozialistische Berliner Stadtverwaltung den Ausbau des Arbeitshauses Rummelsburg zum zentralen Ort der Verfolgung von »Asozialen« aus Berlin und Brandenburg. Mit einer Anfang 1942 durchgeführten »Musterbegutachtung« wurde in Rummelsburg ein letzter radikaler Schritt der Verfolgung von »Asozialen« vorbereitet, der die Ermordung vieler von ihnen vorsah.
Durchgangslager und Jugendarrest
Nach dem Zweiten Weltkrieg existierte das Arbeitshaus mit wenigen Einsitzenden nur noch als Provisorium. In den geringfügig zerstörten Gebäuden fanden jetzt auch Flüchtlinge und Ausgebombte eine Bleibe, viele verstarben freilich an Schwäche und Krankheiten. In den Jahren 1949 bis 1951 bestanden auf einem Teil des Geländes ein Arresthaus für männliche Jugendliche und ein Erziehungs- und Wohnheim für weibliche Jugendliche.
Die Strafvollzugs- und Untersuchungshaftanstalt Rummelsburg
Das Ministerium des Innern (MdI) der DDR unterhielt von 1951 bis 1990 das vormalige Arbeitshaus als eines seiner größten Gefängnisse. In welcher fatalen Tradition es stand, kommt erst jetzt nach und nach ans Licht. Entgegen damaligen offiziellen Verlautbarungen waren auch hier entwürdigende Reglementierungen, unsinnige Erziehungsrituale, Schikanen, Misshandlungen und Isolation von Häftlingen durchaus an der Tagesordnung.
Unter Berücksichtigung der Aufarbeitung der jüngeren Zeitgeschichte konzentriert sich der Schwerpunkt dieser Ausstellung auf die Offenlegung der Verhältnisse in diesem Gefängnis, in dem Zehntausende Menschen aus unterschiedlichsten Gründen monate- oder jahrelang im Vollzug oder in der Untersuchungshaft saßen. Es betraf Deutsche aus Ost und West wie auch Ausländer, doch nicht jeder nach den Gesetzen der DDR Verhaftete oder Verurteilte war tatsächlich ein Straftäter. Insbesondere gegen vermeintliche oder tatsächliche politische Gegner wurden drastische Formen der Repression und ein hohes Strafmaß angewandt, die aber auch unpolitische und religiös orientierte Menschen trafen. Dass sich die SED-Führung durch die Gesetzgebung zugleich ihre machtpolitische Herrschaft sicherte, überrascht angesichts der bis 1989 anhaltenden Fluchtbewegung aus dem Land nicht. Der wohl bekannteste Paragraph des DDR-Strafgesetzbuches, § 213 »Ungesetzlichen Grenzübertritt«, also »Republikflucht«, konnte mit bis zu acht Jahren Haft bestraft werden. Neben weiteren unrechtauslösenden Paragraphen wurde zudem bis zum Ende der DDR nach dem berüchtigten § 249 StGB-DDR als »asozial« definiertes Verhalten mit Verurteilung zu maximal fünf Jahren Gefängnis geahndet.
Obwohl der Strafvollzug im Verantwortungsbereich des Ministeriums des Innern lag, hielt de facto das Ministerium für Staatssicherheit in Rummelsburg in vielfacher Hinsicht die Fäden in der Hand. Mit einer Machtfülle ausgestattet, vermochte es nach Belieben Ermittlungsverfahren an sich zu ziehen. Für politische Häftlinge bedeutete die Haftanstalt Rummelsburg nur eine Zwischenstation, bevor sie in die Gefängnisse des Geheimapparates überstellt wurden. Häufig handelte sich um Menschen, die nicht in der DDR leben wollten oder konnten und schon vor der Inhaftierung durch gesellschaftliche und berufliche Diskriminierungen repressive Maßnahmen zu spüren bekommen hatten.
Konzeption und Umsetzung: Christine Steer
Recherche und Text »Arbeitshaus«, »Strafvollzugsanstalt«: Christine Steer
Recherche und Text »NS-Zeit«: Thomas Irmer
3-D-Grafik und Präsentation, Interviews: Wolfgang Rüddenklau
Ausstellungsgestaltung und Design: Helga Lieser
Besonderer Dank gilt:
Gerhard Baer von der Berliner Senatsverwaltung für Justiz,
Ulrich Müller von der BStU, dem Bundesarchiv, Landesarchiv Berlin und akg-images, der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße »Stasi-Museum«, dem Förderkreis Museum Lichtenberg e. V., dem Berliner Arbeitskreis »Marginalisierte – gestern und heute!«, dem Aktiven Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e. V.
sowie den Interviewpartnern Michael Bradler, Rainer Dellmuth, Dieter Drewitz, Mike Fröhnel, Lutz Hildebrandt, Horst Jänichen, Cliewe Juritza, Vera Lengsfeld, Matthias Bath, Ehrhart Neubert, Hartmut Richter.
Im Rahmen der Ausstellung finden Führungen über das Gelände und durch die Ausstellung statt.
In der gedruckten Ausgabe der Berliner Zeitung erschienen am 20.05.11 zwei Artikel zur Thematik. Diese können hier nachgelesen werden: Artikel 1, Artikel 2
Am Sonntag, den 17. Juli 2011 findet zwischen 13 und 21 Uhr eine Abschlussveranstaltung (PDF der Einladungskarte, 0,4 MB) zur Ausstellung statt.
Samstag, 2. Juli - Sonntag, 24. Juli 2011
Eröffnung zur 4. Langen Nacht der Bilder: 02.07.2011, 18 Uhr
"WOHNKULTUR"
von Holger Herschel / Einladungskarte
Die Fotografien sind in einem Land im Übergang entstanden. Holger Herschel fotografierte Wohnungen in Ostdeutschland, die zum großen Teil lange vor 1989 eingerichtet wurden und in denen die neue Konsumkultur sich oft schon allzu deutlich ausbreitet. Somit mischen sich Gegenstände aus zwei verschiedenen Systemen, und eine andere Wohnkultur wird eingeleitet.
Gartenlaube an der Ostsee, Arbeiterwohnung in Chemnitz, Schauspieler in Berlin ...
Verschiedene Menschen haben dem Fotografen ihre Wohnungstüren geöffnet und ihn in Küche und Wohnzimmer und sogar ins Schlafzimmer gelassen.
Entstanden 1992 als Auftragsarbeit für eine soziologische Untersuchung der Wohnkultur in Ostdeutschland, zeigen die Bilder achtzehn Jahre später nicht nur Einblicke in verschiedene Lebenswelten, sondern auch Rückblicke in längst vergangene Zeiten.
Holger Herschel, geboren 1959 in Berlin, studierte Soziologie und Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin und war anschließend wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Bauakademie der DDR in Berlin; ab 1988 Fotolaborant und Fotograf am Maxim Gorki Theater Berlin; seit 1992 freiberuflich als Fotograf tätig, vorwiegend in den Bereichen Denkmalpflege, Architektur und Porträt.
Samstag, 27. August - Sonntag, 11. September 2011
Eröffnung: 27.08.11, 18 Uhr
"LICHTENBERGER VEDUTEN"
von Peter Thieme
1991 begann der Fotograf Peter Thieme die Stadträume Lichtenbergs mit der Kamera abzubilden. Die ersten Arbeiten wurden noch aus eigenem Antrieb realisiert. In den nächsten Jahren entstanden dann beauftragte oder geförderte Arbeiten, die sich mit konkreten Themen der Geschichte Lichtenbergs befassen. In dieser Zeit fotografierte er die Stadträume Lichtenbergs und arbeitete u.a. über die Industriegebiete, über die Wohnsiedlungen und über die Areale ehemaliger Zwangsarbeiterlager während des Zweiten Weltkrieges.
Peter Thiemes Fotografien geben einen differenzierten Einblick über das Erscheinungsbild und den Wandel Lichtenbergs in der Zeit des Übergangs vom 20. ins 21. Jahrhundert.
Peter Thieme, geboren 1951 in Chemnitz, studierte Wirtschaftswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle und Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Horst Thorau und Arno Fischer, mit dem Abschluss als Diplom-Fotograf. Seit 1990 freiberuflicher Fotograf in Berlin, 1993–1999 Gründungsmitglied der Fotografengruppe ZeitOrt Bilddokumentation und 2002–2006 des Lux Fotografenbüros Berlin. Lehraufträge an der HTW Berlin und an der BEST-Sabel Berufsfachschule für Design Berlin.
Seine Fotos sind vertreten in Sammlungen der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle, Brandenburgischen Kunstsammlungen Cottbus, Berlinische Galerie, Stiftung Stadtmuseum Berlin, Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Museum Berlin-Lichtenberg und in Privatsammlungen.
Einzel- und Gruppenausstellungen, Stipendien und Anerkennungen, Veröffentlichungen und Buchpublikationen.
Sonntag, 25. September - Freitag, 30. Dezember 2011
Eröffnung: 25.09.11, 15 Uhr
"Das Mosaik von Hannes Hegen. Abenteuer Wissenskosmos"
von Moritz Götze und Peter Lang
Das Mosaik von Hannes Hegen erschien in 223 Heften von 1955 bis 1975. Die Auflage begann bei 100.000 und endete mit 660.000 Exemplaren.
Die Ausstellung stellt diesen außergewöhnlichen Comic in Originalheften mit seinen Quellen und Bezügen in großer Breite vor. Als Besonderheit darf man in zahlreichen Reprintheften ausführlich blättern und schmökern. Ein Film mit Interviews und einer aktuellen Umfrage zum Mosaik, Modelle und vieles mehr bereichern die Ausstellung. Ausgewählte Comics aus den Beneluxländern, wie Tim und Struppi, der gerade seinen 80. Geburtstag feierte, oder Spirou und Fantasio liegen zum Lesen bereit und dienen zum Vergleich.
Das Mosaik war einzigartig und besaß eine grandiose Popularität in allen Schichten der Bevölkerung. Im Westen des Landes nahezu unbekannt, ist das Mosaik heute noch im Ostteil der Bundesrepublik allgemein beliebt. Man identifizierte sich in besonderem Maße mit den drei Handlungsträgern der Geschichten, die über zwanzig Jahrhunderte hinweg durch Zeit und Raum führten. Der Comic wurde jeden Monat sehnsüchtig an den Zeitungskiosken erwartet und war immer gleich ausverkauft. Ihn zu lesen und mit seinen Protagonisten mitzufiebern war fast schon wie eine Emigration von der sozialistischen Alltagsrealität über die Mauern hinweg. Lange vor Asterix stellte das Mosaik Rom mit seinem Zirkus Maximus und seinen Legionen vor. Man begegnete den Dogen in Venedig und flog mit Raumschiffen auf fremde Planeten. Saurier und Urgeschichte kamen genauso vor wie die Dampfmaschinen James Watts. Unterhaltsam, spannend und witzig wurde Geschichte und Technik in turbulenten Abenteuern vermittelt. Das ästhetische Bildprogramm und die Texte waren hochqualitativ und beeinflussten viele heute bekannte Künstler, vor allem Maler, aus der ehemaligen DDR.
Bei der erstaunlichen Auflage ist es ein Paradox, dass man die Hefte nie am Kiosk bekam. Natürlich sammelte man sie, in welchem Zustand auch immer, tauschte weiland seine Matchboxsammlung oder gar seine Freundin dagegen und hütete sie wie seinen Augapfel.
Was nicht auftauchte, waren Pioniere mit blauen oder roten Halstüchern und politische Propaganda. Mehrfach sollte das Mosaik verboten werden, aber es hatte zwanzig Jahre lang Bestand. Im Rückblick fast nicht vorstellbar, war das Mosaik durch alle Kämpfe hindurch eine propagandafreie Insel im Meer des realexistierenden Sozialismus. Das Mosaik erschien im Dezember 1955 an den Kiosken der DDR wie eine Fata Morgana im Kalten Krieg. Sein erster Titel war "Auf der Jagd nach dem Golde" und spielte im Orient. Und das in 100.000 Exemplaren! Im Nachhinein einfach unglaublich.
Das Entschwinden von Dig, Dag und Digedag 1975 auf der Rückseite des letzten Heftes in den Orient, in eine orientalische Fata Morgana, war dann ein herber Verlust. Man verlor Freunde und stand bildlich gesprochen wieder allein im real existierenden Sozialismus.
- Einladung mit weiteren Informationen (PDF; 2 MB)









